Nein, die TU zumindest nicht. Bin zum Thema Bildungsstreik eindeutig gespaltener Meinung. Einerseits find ich unglaublich gut wie viele sich engagieren und endlich mal was bewegen wollen. Andererseits stimme ich nicht wirklich mit deren Forderungen überein...
- Abschaffung der Studiengebühren: Über Studiengebühren darf ich mich an der TUM wirklich nicht beschweren. Für uns wurden unzählige Tutorien eingerichtet, Zusatzprogramme uuu., alles wird von Studentischen Vertretern verteilt und überwacht. Unser Semesterticket wird bezuschusst. Alles in allem eine Beispielhafte Verwendung. Aber natürlich ist die Aufbringung dieser 500€ für Studenten aus sozialschwachen Familien schwierig (und kinderreich ist nicht gleichzusetzen mit sozialschwach!!!)
Deshalb: Beibehaltung und gegebenenfalls Senkung (bei Überschuss) der Studiengebühren, Beibehaltung der Befreiung für kinderreiche Familien, aber Einführung einer gehaltsabhängigen Befreiung für sozialschwache Familien, beispielsweise ausgerichtet an BAföG-Regelungen.
- Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems: Bitte was?! Ständig steht die Forderung im Raum, Kinder müssen individueller gefördert werden. Ist das zu erreichen mit Klassen, die alle vereinheitlichen? In denen jemand der schnell lernt auf die langsamen warten muss? In denen schlechtere Schüler überfordert werden? Sicher nicht. Und die schlechte Durchlässigkeit unseres Systems ist eine Lüge. Bei guter Leistung in der Hauptschule kann man den M-Zweig wählen und damit seinen Realschulabschluss machen. Mit diesem kann man jede Fachoberschule besuchen und damit ein Fachgebundenes Abitur erreichen, das einem den Zugang zur nächsten Fachhochschule ermöglicht. Warum das so wenige tun? Weil eben nicht alle so gut sein können! Nicht jeder ist nunmal mit der gleichen Leistungsfähigkeit ausgestattet. Aber was wollten wir auch mit unzähligen Akademikern, wenn uns keiner mehr die Brötchen bäckt? Wenn uns keiner mehr die Haare schneidet? Die Rollen sind gut verteilt, denn wer aufsteigen, sich weiterbilden möchte hat auch die Möglichkeit dazu. Einziges Problem: Der schlechte Ruf von Hauptschulen. Warum? Das Niveau dort sinkt, genauso wie in Realschulen und Gymnasien. "Jeder soll aufs Gymnasium"-Ideen vernichten unser Schulsystem. Denn wenn es so viele (zum Teil wenig gute -> Bundeslandabhängig!) Abiturienten und so viele Realschüler gibt, was will man dann noch mit Hauptschülern?
Deshalb: Bundesweite Standards für das dreigliedrige Schulsystem und seine Abschlüsse. Abschlüsse müssen wieder für etwas stehen!
- Gegen Genderdiskriminierung: Schwieriger Punkt. Ich finde ihn überflüssig. Ich studiere an einer Technischen Universität im frauenärmsten Studiengang. Warum nicht mehr Frauen hier sind? Weil die sich nicht für Etechnik interessieren! Weshalb auch so wenige Männer Sozialpädagogik studieren. Quoten verfehlen erneut das Ziel jedem individuelle Möglichkeiten zu bieten.
Deshalb: Keine Quoten! Männer und Frauen sind nun einmal evolutionär verschieden. Wer eine Frauenquote in Führungsebenen einführen will, soll auch Männerquoten bei den Krankenschwestern und Kindergärtnerinnen einführen!
- mehr Demokratie in den Unis: Ein Punkt, dem ich endlich mal voll und ganz zustimme. Es kann nicht sein, dass im Hochschulsenat mehr Externe aus Wirtschaft und Industrie über die Unis entscheiden als die Studenten selbst. Genauso kann es nicht sein, dass Studentische Ausschüsse in Bayern keine rechtsfähigen Organe sind, die ihre Verwaltung und Finanzierung nicht selbst regeln dürfen, ja noch nicht einmal einen Vertrag unterschreiben dürfen!
Deshalb: Mehr Mitbestimmungsrecht für gewählte Studentische Vertreter!
- Reform der Reformen: Ja, Bologna ist schiefgelaufen. Aber keiner ist der allein Schuldige. Das Bildungsministerium ist nicht dafür verantwortlich, dass an der LMU Pflichtvorlesungen für ein und denselben Studiengang zur gleichen Zeit laufen. Aber die Umstände verbessern sich von Semester zu Semester. Es wird etwas getan. Zumindest an der TU. Von heute auf morgen kann man nichts erreichen. Denn alles bedeutet Arbeit.
Deshalb: Studenten, engagiert euch! Deckt Fehler auf, bringt Verbesserungsvorschläge, geht in die Fachschaften und ASten, ein Protestruf: "Macht was!" bringt nichts!
Und jetzt zu dem bisherigen Ergebnis des Studentischen Aufruhrs: Schavan hat uns eine BAföG-Erhöhung zugesichert! *jubel*
Äh, hab ich irgendwas verpasst? Wann haben die Studenten denn das gefordert? Dies ist eindeutig ein Musterbeispiel des verzerrten Denkens unserer Politiker: Eine Erhöhung beruhigt die Studenten. Aber: Wer wird gefördert? Die sozialschwachen.(richtig!) Die, die in studiengebührenpflichtigen Bundesländern mit horrenden Mieten studieren.(richtig!) Die, die in einem studiengebührenfreien Bundesland mit Monatsmieten bis 200€ studieren.(falsch!)
Fazit: Und wieder werden Unsummen von Geld aus dem Fenster geworfen, allein um die wütende Meute zu beruhigen...
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Bei 500€ Studiengebühren hätte ich vmtl. nicht mehr studieren können, und viele andere in meinem Jahrgang auch nicht.
Mein Wohneinheits-Genosse lebte finanziell spitzaufknopf, obwohl er nebenher jobbte (was aber nicht so häufig der Fall war, weil er meistens mit seinem Studium beschäftigt war): Zeitweise von etwas über 500DM im Monat. Davon gingen 300DM für die Miete weg.
Ich habe nicht in München studiert, sondern in Zwickau (wo es auch heute keine Studiengebühren gibt).
Ich sehe in der Studiengebühreneinführung erstmal eine Bevorteilung der (Kinder der) Besserverdienenden. Welchen Sinn sollte es sonst haben? Daß man schneller studiert? Diese Studiengebühren wurden schon zu meiner Zeit eingeführt, zurecht, wie ich meine.
Und dann halte ich es für eine bodenlose Frechheit, Gebühren zu erheben, ohne, daß man anständig studieren kann. Ich meine damit eben genau, daß man in seiner Regelstudienzeit oft wegen Überschneidungen von Vorlesungen garnicht fertig werden kann, also länger studieren *muß*.
Die Politik muß sich die Frage gefallenlassen, ob unser Land sich leisten kann, potentielle Leistungsträger aufgrund ihrer Herkunft vom Studieren auszuschließen, denn genau das bedeutet in meinem Augen die Studiengebührerhebung.
Das Semesterticket übrigens, was ich in Zwickau nicht bekommen habe, ist bei den Studentenwerkgebühren dabei, nicht bei den Studiengebühren.
Aber gut, Greencardler sind auch billiger als einheimische Akademiker, weil die Industrie für die keine Rentenbeiträge zahlen muß. Der Industrie glaube ich in der Hinsicht kein Wort mehr: Sie haben 2000 nach Greencardler geschrien, weil es in .de angeblich keine Ingenieure gäbe - ich war damals arbeitsloser Ingenieur mit einem guten Abschluß, schrieb über 40 Bewerbungen, hatte 15 Vorstellungsgespräche und kam nur in der GSI zu einem Job als Ingenieur. Mein Fazit: Die Industrie will nur Ingenieure mit 20 Jahre Berufserfahrung, die nicht älter als 30 Jahre alt sind.
Zum Dreigliedrigen Schulsystem: In Skandinavien funktierts besser ohne.
HoSnoopy hat gesagt…
17:17